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.:: Text Interview
Rotersand
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Artist: Rotersand
Interview: Phoner zum aktuellen Album
"Random is Resistance"
Dietmar sprach mit Gunther und
Krischan von ROTERSAND über die
Bandhistorie, das neue Album „Random Is Resistance“ und
Zukunftsaussichten. Was es mit Labelschließungen und
Wiedereröffnungen,
warmen Unterhosen und Leuchttürmen auf sich hat, könnt ihr im
folgenden
Interview nachlesen.
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Hallo
Gunther, hallo Krischan! Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, ein paar
Fragen zu ROTERSAND und zu eurem neuesten Werk „Random Is Resistance“
zu beantworten.
Für den Fall,
dass es da draußen Leute gibt, die euch bis heute noch nicht
kennen,
stellt euch doch bitte einmal kurz vor und beschreibt eure Rolle
innerhalb der Band.
Krischan: Hallo,
ich bin Krischan, ich bin mehr oder minder das Studio und mache
einen Teil der Technik und auch einen Teil der Musik. Aber das machen
wir ja letztlich alle.
Gunther: Hallo,
ich bin Gunther und gelte als der Musiker von uns Dreien. Diese
Rollen lassen sich aber eigentlich gar nicht so eindeutig definieren.
Krischan sagte eben, er sei das Studio, derjenige, der das meiste
Produktionshandling macht. Aber es ist durchaus nicht so, dass Krischan
der Ingenieur und Tonhandwerker ist, während Rascal und ich
Künstler
spielen. Wir sind alle drei, zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten,
Vorlieben und Spezialitäten, für die Band tätig, die
Rollen und
Aufgaben wechseln jedoch permanent. Einmal sitzt der eine am Rechner
und eine halbe Stunde später wieder der andere, dann diskutiert
der mit
dem über inhaltliche Fragen usw.
Es
gibt
also keine strikten Rollentrennungen, aber Schwerpunkte, die mit
unserer jeweiligen musikalischen Vergangenheit und den
unterschiedlichen Potenzialen zu tun haben.
Seitdem ihr
ROTERSAND aus der Taufe gehoben habt, sind sieben Jahre vergangen. Wie
ist damals die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Gunther: Ich
hatte schon vor Rotersand in diversen Zusammenhängen mit Rascal zu
tun. Kennen gelernt haben wir uns, als ich als Teil eines
Produzententeams einige Alben mit Rascals damaliger Band produzierte.
Jahre später hatte er die Idee, eine gemeinsame Band zu
gründen...
Wir
fingen
ganz klein in einer Home-Studio Ecke an, ein paar Songs zu schreiben.
Als wir dann ein paar zusammen hatten, wollten wir die ersten Songs
live ausprobieren und hatten auch bald die Gelegenheit dazu, relativ
unspektakulär in einem Vorprogramm einer kleinen Tour spielen zu
können. Die Tatsache, dass die Leute im Publikum nicht
Reißaus nahmen,
hat uns dazu verleitet, weiter zu machen.
Krischan ist erst
etwas später dazu gekommen. Wie ist der Kontakt zu Gunther und
Rascal zustande gekommen?
Krischan:
Ich kannte Rascal schon aus den 90ern, als ich noch in Bochum in
Technoclubs auflegte. Rascal arbeitete damals in einer Plattenfirma und
zwar bei Rough Trade. Er war zu dieser Zeit für den Import von
damals
total hippen, angesagten Technosachen aus Belgien und England
verantwortlich. Entsprechend streunte er dort immer herum und daher
kannte ich ihn. Gunther hatte ich zuvor schon einmal ganz kurz in
Hamburg getroffen. Ich glaube, das war 1996.
Ende
Oktober 2002 rief Rascal bei mir an und meinte „Der Gunther und ich
haben hier etwas auf die Beine gestellt, hör dir das doch mal an.
Wir
spielen in der Zeche Carl.“. Also ging ich da mehr oder minder
unbedarft hin und schaute es mir an. Im Nachhinein habe ich wohl eine
Menge „Nörgeliges“ von mir gegeben, aber auch gesagt, dass ich die
Songs ganz dufte finde. Daraufhin hat man sich mehrfach hier getroffen
und hat an gemeinsamen Sachen gewerkelt. Ich glaube, gleich der zweite
Song war dann „Merging Oceans“ und so bin ich da reingerutscht.
Die Frage
nach der Entstehung eures Bandnamens brauchen wir ja nicht mehr zu
stellen. Es dürfte mittlerweile jedem bekannt sein, dass ROTERSAND
nach
einem Leuchtturm an der Nordsee benannt ist. Dazu gibt es auch eine
Geschichte, welche ich einmal in einem uralten Interview von euch
gelesen habe. Das Bild von diesem Leuchtturm befand sich in Rascals
Krankenhauszimmer und wurde von euch als Zeichen betrachtet.
Gunther: Da
war niemand Außenstehendes involviert, der gesagt hätte „Ihr
müsst das
als Zeichen sehen.“. Wir steckten damals gerade in der Phase, einen
Namen zu finden. Rascal gefiel der Name Rotersand recht gut. Ich
dagegen war mir da nicht so sicher... Dann kam es zu Rascals Aufenthalt
in diesem Krankenhaus und als er nach einer Operation aus der Narkose
aufwachte, hing eben das Bild von jenem Leuchtturm an der Wand und es
hieß: „Siehst du, wenn jetzt schon das Bild hier hängt, dann
ist die
Diskussion beendet und wir nehmen diesen Namen.“
Ihr seid alle
drei keine musikalischen Newcomer gewesen. Jeder von euch hatte vor
ROTERSAND in anderen musikalischen Bereichen gearbeitet. Was
genau war
das?
Krischan: Ich
war, wie schon erwähnt, bereits seit Jahren als DJ und Produzent
unterwegs. Damals lief das noch anders. Da traf man sich, machte ein
wenig Musik und veröffentlichte diese. Das habe ich über
Jahre neben
dem Studium betrieben und mir ein Studio aufgebaut, in welchem wir
heute noch herumwerkeln.
Gunther: Bei
mir ist es auch so, wie du richtig bemerkt hast, dass ich schon
etwas länger in dem Bereich „Musik“ unterwegs bin. Allerdings
liegen
meine Wurzeln kreuz und quer in allen erdenklichen Musikrichtungen und
entsprechend variantenreich ist meine musikalische Vergangenheit. Ich
bin also buchstäblich ein Quereinsteiger in den
Independent/Alternative-Bereich. Seitdem ich denken kann, bin ich
Musiker und somit arbeite ich auch sehr gern am Instrument, das
Programmieren ist bei mir eine logische Weiterentwicklung dieser
musikalischen Herangehensweise.
Kann man es also so
bezeichnen, dass genau diese unterschiedlichen Wurzeln den speziellen
Sound von ROTERSAND ausmachen?
Gunther: Es
ist für jeden kreativ tätigen Menschen eine große
Befriedigung, wenn in
seinem Schaffen eine unverwechselbare, persönliche Handschrift
wahrgenommen wird. Das können jedoch nur Außenstehende
beurteilen. Wenn
das also von außen so wahrgenommen wird, dann wird die Mischung
der
Bandmitglieder mit Sicherheit eine Hauptursache sein.
Ich sehe das
definitiv so und wollte nur gerne eine Bestätigung von euch.
Gunther: Wir
können nicht beurteilen, wie es nach außen wirkt. Wir
bringen
einfach nur unser musikalisches Vokabular und unsere Erfahrung mit in
die Band ein, eben das, was wir haben. Wenn daraus eine Mischung wird,
die im positiven Sinne als etwas Außergewöhnliches gesehen
wird, dann
ist das erfreulich, aber nichts, was wir im Voraus konstruierten oder
angelegt haben.
Kommen wir
nun zu eurem neusten Album „Random Is Resistance“. Kann man den Titel
dieses Albums insbesondere auch zusammen mit den Songtexten als
gesellschaftskritische Auflehnung gegen Kontrolle und Überwachung
deuten?
Gunther: Es
ist nicht so, dass wir „1984“ 25 Jahre später spielen wollten. Die
eigentliche Thematik des Albums ist, dass wir heutzutage freiwillig
einen globalen Apparat zur Informations- und Datenbeschaffung speisen.
Es ist ja nicht so, dass wir hierzulande von einem totalitären
Regime
überwacht würden und uns Informationen abgepresst werden. Wir
selbst
verbreiten in irgendwelchen Internetforen oder sonstigen Installationen
bereitwillig viele Daten über uns, über unser Verhalten,
über unsere
Vorlieben, unsere Probleme oder was auch immer. Bereits jetzt werden
sehr viele dieser Daten von verschiedenen Institutionen und Firmen
genutzt, ohne dass wir das verhindern können. Wenn wir
feststellen,
dass die Grenze von Gebrauch zu Missbrauch fließend ist, ist es
für
Gegenmaßnahmen zu spät. Daten lassen sich in einer
vernetzten und
verspeicherten Welt nicht mehr einfangen.
Habt ihr mit diesem
Thema schon persönliche Erfahrungen gemacht und sind diese in das
Album eingeflossen?
Gunther: Wir
wollten das Thema nicht auf einer Ebene der persönlichen
Erfahrungen angehen, sondern im Rahmen eines Albums durchaus etwas
plakativer vorstellen.
Für „Random“
und auch für „Resistance“ gibt es ins Deutsche übersetzt
verschiedene
Bedeutungen. Wie übersetzt ihr für euch diese beiden
Wörter?
Gunther: „Resistance“
würde ich mit Widerstand übersetzen und „Random“ ist
für
mich „Zufall“ oder besser „Unberechenbarkeit“, auf deutsch
hieße das
Album also „Unberechenbarkeit ist Widerstand“.
Ich habe mir
einmal exemplarisch drei Songs vom Album herausgepickt, auf welche ich
mit euch etwas näher eingehen möchte. Fangen wir an mit dem
Song „We
Will Kill Them All“. Wer ist mit „them“ gemeint.
Gunther: Der
Song spielt in einer fiktiven Situation. Fiktiv deswegen, weil er
nicht eine reale Situation mit existierenden Personen darstellt. Aber
genau solche Situationen spielen sich möglicherweise gerade
irgendwo
auf dieser Welt ab.
Es
wird die
Situation beschrieben, in der ein Vater oder auch ein Großvater
mit
seinem Kind oder seinem Enkel spricht und sich von diesem
verabschiedet, weil er in den Krieg oder zu irgendeiner Kampfhandlung
muss oder will. Im Refrain wird das Kind mit den Worten beruhigt: „Mach
dir keine Sorgen, wir bringen sie alle um!“
Der
Gedanke
ist sehr beunruhigend, weil dies natürlich alle beteiligten
Konfliktparteien sagen dürften. Sie beruhigen ihre Kinder, indem
sie
über die Gewalt sprechen, die sie anderen antun wollen. Eigentlich
handelt es sich um eine „Gute Nacht Geschichte“, welche dem Kind
erzählt wird. In den Strophen geht es um die Wurzeln, auf denen
solche
Konflikte immer basieren: Ideologie, Tradition und Rachsucht.
Kommen wir
nun zu dem Song „War On Error“, welcher im Vorfeld auch schon auf der
EP veröffentlicht wurde. In diesem richtet ihr euch deutlich gegen
die
Überwachung und auch gegen die Verwendung von persönlichen
Daten. Kann
man diesen Song als Schlüsselsong des Albums betrachten?
Gunther: Er
ist sicher der Schlüsselsong, er ist ja schließlich nicht
umsonst die
Singleauskopplung. Das Album heißt „Random Is Resistance“ und
postuliert den Widerstand gegen einen fiktiven „War On Error“, der in
von einem (noch) fiktiven System gegen den letzten Rest unserer
Unberechenbarkeit, ausgerufen wird.
Ihr sagtet
mal, dass ihr den Begriff „Überwachung“ im Zusammenhang mit der
Albumthematik nicht so gern verwendet. Aber gerade bei „War On Error“
ist im Booklet genau neben dem Songtext das Symbol mit den vielen
Kameras an einem Mast. Und da liegt doch der Zusammenhang zu dem Wort
„Überwachung“ wirklich sehr nah.
Krischan: Überwachung ist zu viel. Es
ist eher „Beobachtung“ gemeint.
Gunther: Es
ist natürlich zugespitzt. Die grafische Umsetzung ist sozusagen im
Sinne von „Was passiert eigentlich, wenn sich in unserer Welt der
politische Wind mal dreht?“ weitergesponnen. In diesem Falle
könnte
solch ein "Überwachungs" - Szenario plötzlich sehr, sehr
schnell und
unentrinnbar installiert werden. Das ist die Idee dahinter, dies
einfach einmal als Gedanken plakativ darzustellen.
Krischan: Ich
glaube, die Idee dabei ist nicht nur die dargestellte
Fiktivität
einer überwachenden Staatsgewalt, sondern die Realität der
Konsum- und
Industriewelt. Das, was wir an Daten freigeben, ist nicht nur
theoretisch von einem Staat missbrauchbar, sondern wird bereits ganz
intensiv von global operierenden Konzernen genutzt. Eigentlich ist die
Welt, an die wir denken, weniger eine Orwellsche als vielleicht eher
die eines William Gibson, in der es eher um die
Wirtschaftsorganisationen geht, die ja viel näher an
totalitären
Strukturen orientiert sind, weil sie sich eben außerhalb
staatlicher
Beschränkungen als global agierende Unternehmen bewegen. Es ist
nicht
nur der Staat, der zur Bedrohung wird.
Der dritte
Song, den ich mir herausgepickt habe, fällt aus meiner Sicht ein
wenig
aus dem Rahmen des Albums heraus und das ist für mich „Gothic
Paradise“. Bei diesem habe ich mehr den Eindruck, dass er sich mehr an
die „Szene“ richtet und ihr diese kritisiert. Sehe ich das richtig?
Gunther: „Kritisieren“
würde ich es nicht nennen. „Gothic Paradise“ kann man als
eine Chiffre für unsere Gesellschaft oder die so genannte
„Szene“
verstehen. Diese funktionieren nach bestimmten Regeln: Wenn man dies
und jenes so und so macht, dann gehört man dazu und wenn nicht,
dann
gehört man eben nicht dazu. Wenn ich bestimmte Klamotten trage und
mich
entsprechend benehme, dann gehöre ich zur „Szene“ und dann habe
ich
durch sie eine Identität. Und genau diesen Mechanismen halten wir
den
Spiegel vor. Es ist aber durchaus auch „augenzwinkernd“ gemeint und
keine böse Anklage. Es ist eher in folgendem Sinne zu verstehen:
„Seht
ihr möglicherweise eine Diskrepanz zwischen dem, was in der Szene
gerne
als independent, unabhängig und offen propagiert, vielfach aber
nicht
wirklich gelebt wird?“
Krischan: Das
betrifft auch die Sichtweise, die Leute von außerhalb auf diese
Szene haben könnten. Es wäre das Gleiche, wenn man sagen
würde: „Hip
Hop visualisiert sich nur mit Afro-Amerikanerinnen, die im
String-Bikini ihren Arsch in die Kamera halten.“ Es ist eben nicht nur
Bodyshaking und Goldkarren durch die Gegend fahren. Ebenso wenig rennt
man in der Gothic-Szene nicht nur über Friedhöfe und dreht
Kruzifixe um.
Gibt es auf dem
Album einen bestimmten Song, der für euch etwas ganz Besonderes
ist oder sind alle gleich bewertet?
Gunther: Für
mich persönlich gibt es keinen, bei welchem ich sagen kann:
„Dieser
ist mir das liebste Kind“. Ich glaube, das liegt daran, dass man mit
einem Album relativ lang zu tun hat und nicht mal eben drei Wochen ins
Studio geht und das Ding runterkloppt. Das dauert insgesamt schon eine
ganze Weile. Einerseits verliert man dabei irgendwann jede Distanz,
anderseits sind einem alle Songs doch sehr nah. Man kennt jeden Ton und
jeden Effekt in- und auswendig, so dass es zumindest für mich,
sehr
schwierig ist, so kurze Zeit nach der Fertigstellung, einen Favoriten
zu benennen. Aber vielleicht ist das für Rascal und Krischan
anders...
Krischan: Nein.
Da ist schon etwas dran. Ich habe mir das Album seit der
Veröffentlichung noch nicht ein einziges Mal am Stück
angehört. Wenn
ich nach zehn Jahren „1023“ ganz durchhöre, ist es für mich
bestimmt
ein ganz anderes Album als damals. Wir haben von manchen Leuten
gehört,
dass ihnen „1023“ zu ruhig und gesetzt war. Das heißt aber
nicht, dass
wir es jetzt schlecht finden. Das heißt nur, dass das damals
vielleicht
unsere Stimmung war. Auch bei uns gibt es immer wieder
Veränderungen,
Entwicklungen und es drehen sich Stimmungen und Zugänge zu Dingen.
Krischan,
damit hast du eine perfekte Überleitung auf meine nächste
Frage
hinbekommen. „Random Is Resistance“ ist euer viertes Album. Wie
würdet
ihr aus eurer Sicht die eigene musikalische Entwicklung vom Debüt
„Truth Is Fanatic“ bis heute beschreiben?
Gunther: Ich
versuche es einmal so zu erklären: „Truth Is Fanatic“ ist mit
einer
„Wir machen einfach mal“ - Attitüde entstanden. Wir haben es
einfach so
produziert, wie es kam, ohne viele Gedanken darüber zu verlieren,
ob es
auch ankommt. Es war wie ein Experiment, wie ein Spiel. Mit dem ersten
Album setzt man einen Punkt und schon mit dem zweiten erzeugt man eine
Richtung, weil man einen zweiten Punkt setzt und die Verbindung
zwischen beiden eine gerichtete Linie ist. Wenn es so etwas wie einen
„ROTERSAND Sound“ gibt, dann ist dieser für mich persönlich
eher durch
Vielseitigkeit ausgezeichnet als durch eine bestimmte Stilrichtung. Ich
würde unser Ziel eher bei einem Qualitäts-Niveau als bei
einem
bestimmten Sound verorten. Ich glaube, wir haben versucht - und die
bisherige Resonanz lässt auch den Schluss zu, dass es uns gelungen
ist
- das, was als Experiment angefangen hat, zu konsolidieren.
Krischan: Man
wird in dem, was man tut, immer sicherer. Man beginnt eine Band und
man kennt sich schon irgendwie, aber man hat nie zusammen gearbeitet.
Je mehr man das tut, umso mehr lässt man auch Dinge zu und
lässt diese
einfach laufen, weil man Vertrauen in die Kollegen gewinnt. Dadurch
fokussiert man das einerseits mehr und andererseits lässt man sich
auch
mehr Spielraum. Klingt ein bisschen paradox, oder?
Gunther: Bei uns verfestigt sich nicht die
Außengrenze, sondern der innere Kern.
Krischan: Genau.
Seit „Truth
Is Fanatic“ sind sechs Jahre vergangen. Ihr habt diverse EPs und vier
Alben veröffentlicht. Das ist sehr produktiv und eine sehr
große Menge.
Woher nehmt ihr dafür die Kreativität und die Energie?
Gunther: Wir
nehmen keine Drogen, ernähren uns vernünftig und haben immer
warme
Unterhosen an. Im Ernst: Impulse nimmt man von überall her, aber
die
Kreativität, sie umzusetzen hat man in sich. Zumindest bei uns ist
das
so, und zwar sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Man ist im Grunde
genommen so eine Art „kreativer Durchlauferhitzer“. Man nimmt Dinge auf
und kanalisiert sie in die Musik hinein.
Krischan: Wir
haben den „Vorteil“, dass wir mit drei Leuten eine echte Band sind.
Es gibt ja auch viele Projekte mit einem Mastermind und ein paar Leuten
drum herum, die mit auf der Bühne stehen und am Kern der Sache
nicht
wirklich teilhaben. Unsere Arbeitsbereiche sind, wie anfangs schon
erwähnt, nicht wirklich getrennt. Und somit haben wir drei
vollwertige
Quellen, aus denen Ansätze und Ideen zu Songs kommen, was einfach
viel
mehr Input in weniger Zeit bedeutet. Wir können alle etwas dazutun
und
es findet eine echte „Ergänzung“ statt. Wir kochen nicht nur mit
dem
eigenen Topf, sondern wir haben zusammen eine große Küche,
in der sich
alles wunderbar ergänzen kann.
Gehen wir
noch einmal ein Stückchen in die Vergangenheit zurück. Ihr
seid eine
Band, die vor zwei Jahren mit der Labelschließung von Dependent
Records
betroffen war. War das ein Einschnitt oder eine besondere Bedeutung
für
euch? Oder ging alles einfach so weiter, nach dem Motto „The show must
go on“?
Krischan: Natürlich
hatten wir uns an das Label im Rücken gewöhnt. Man
gewöhnt
sich ja an die Strukturen, mit denen man zusammenarbeitet und an die
Stimmung. Man entwickelt eine gewisse Routine. Von daher ist es
zuteilen ganz gut, dass solche Routinen auch wieder aufbrechen und man
sich an neue Ufer begeben konnte. Die Schließung von Dependent
war
schon so eine Sache, aber das betrifft eine Band nicht sonderlich,
solange diese ein anderes Label findet, mit dem sie gut arbeiten kann.
Gunther: Und
wir waren in der glücklichen Situation, dass wir nicht Klinken
putzen gehen mussten. Als die Schließung von Dependent bekannt
wurde,
bekamen wir recht schnell Anfragen von anderen Labels. Und da wir alle
drei, auch was administrative Dinge betrifft, nicht ganz grün
hinter
den Ohren sind, hätten wir auch ohne Label eine gewisse Zeit
überleben
können. Insofern waren wir da wahrscheinlich entspannter, als es
andere
Bands vielleicht waren.
Jetzt ist Stefan mit
seinem Label Dependent Records seit Kurzem wieder da. Wie denkt ihr
darüber?
Krischan: Der
Mann hat für die Szene unzweifelhaft eine Menge geleistet. Gerade
im elektronischen Bereich haben wir ihm da mit VNV Nation und Covenant
auch wirklich größere Sachen zu verdanken. Von daher ist es
sehr schön,
dass jemand, der sich A, mit der Szene auskennt und B, auch viel
für
diese Szene getan hat, als Urgestein zu seinen Wurzeln zurückgeht
und
wieder Labellandschaft macht. Das sei ihm gegönnt und es ist auch
eine
gute Sache. Es hätte Schlimmeres passieren können und gerade
im
Labelbereich hat sich in den letzten Jahren einiges verabschiedet oder
ist kleiner geworden, hat sich gesund geschrumpft. Es ist immer gut,
wenn es Möglichkeiten in einem professionell gemanagetem Umfeld
für
Newcomer oder auch für andere Bands gibt, ihre Platten zu
veröffentlichen.
Dann gehen
wir doch noch einmal zurück in die kurze Gegenwart. Ihr ward
gerade auf
Tour mit VNV Nation. Wie war die Tour, was könnt ihr uns
darüber
berichten?
Gunther: Es
ist ein sehr großes Glück für eine Band, mit VNV Nation
auf Tour zu
gehen. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass sich die Shows, das
Publikum und die Venues auf einem vernünftigen Niveau bewegen. Wir
kennen VNV Nation auch schon länger und hatten auch schon vor der
Tour
einige Konzerte mit ihnen zusammen gespielt. Zudem macht Krischan ihren
Live-Sound. Somit ist die Verbindung zueinander sehr eng. Es gibt einen
großen Respekt füreinander und wir kommen persönlich
auch sehr, sehr
gut miteinander aus. Das tägliche Zusammenleben auf engem Raum war
sehr
entspannt, wirklich angenehm und ich persönlich fand diese fast
vier
Wochen ganz prima. Es findet sich bei einer Tour nebenbei auch immer
wieder Zeit für Gespräche privater Natur. Und das sind
für mich sehr
schöne Erlebnisse.
Wie sieht es
bei euch im nächsten Jahr aus? Habt ihr schon irgendetwas in
Planung,
worüber ihr reden könnt? Live Konzerte? Festivals? Eine
eigene Tour?
Oder ist das alles noch viel zu frisch und ihr habt da noch keine Ideen?
Gunther: Es
gibt ein paar Termine für das nächste Jahr, die auch schon
auf unserer
Website nachzulesen sind, aber richtig durchgeplant ist das Jahr noch
nicht.
Krischan: Es
wird auf jeden Fall noch eine EP zum Album geben. Wir werden auf
jeden Fall die „One By One Festivals“ spielen, welche Gunther schon
angesprochen hat, mit UNHEILIG, Dreadfull Shadows, SANTA HATES YOU und
The Pussybats. Zudem schauen wir uns gerade um, dass wir noch ein paar
eigene Headlineshows organisieren, um auch einmal länger als eine
Dreiviertelstunde zu spielen. Dahingehend wird bestimmt schon in
Kürze
etwas spruchreif sein.
Es war ein
sehr interessantes Interview. Ich bedanke mich dafür, dass ihr
euch die
Zeit genommen habt, wünsche euch alles Gute und grüßt
Rascal von mir.
by PromoFabrik - November 2009
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