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.:: Text Interview
Noisuf-X
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Artist: Noisuf-X
Interview:
zum neuen Album "Excessive Exposure''
Astrid & Dietmar interviewten Jan L. über sein neues
Noisuf-X-Album "Excessive Exposure" und darüber, wie schlecht es
um die Musikszene steht. Ein sehr interessantes Album von Samples
über Schimpfwörter bis hin zu Zukunftsprognosen....
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Vielen
Dank an dieser Stelle an Astrid und Dietmar für die Umsetzung des
Interviews und natürlich an Jan für seine Zeit!
Hallo Jan, vielen
Dank für deine Bereitschaft, uns ein paar Fragen zu deinen
Projekten und dem neuen Noisuf-X Album „Excessive Exposure“ zu
beantworten.
Jan: Aber gerne doch..
Seit dem letzten
Noisuf-X Album ist gerade einmal ein Jahr vergangen und zwischendurch
ist auch noch ein X-Fusion Album erschienen. Hast du die Songs schon
fertig in der Schublade liegen oder wie schaffst du das?
Jan: Du weißt doch, wie das bei
elektronischer Musik ist - 3 Knöpfe drücken, und alles ist
fertig :-)
Nein,
ich habe natürlich einfach immer sehr viel Zeit in meine Musik
investiert und daher ist der Output dann logischerweise auch höher
als bei Bands, die vielleicht nur am Wochenende mal Zeit finden, Musik
zu machen. Ich habe für diesen hohen Output allerdings auch Opfer
bringen müssen und habe auf große Teile meiner Freizeit und
auf Urlaub verzichtet.
Das neue Album
trägt den Titel „Excessive Exposure“. Exposure kann man
verschiedenartig übersetzen. Wie ist deine eigene Definition des
Titels?
Jan: Meine freie Übersetzung lautet
"Maßlose Beanspruchung", welches das Ziel auf der Tanzfläche
ist. „Excessive Exposure“ ist ein reines Clubalbum, welches von Anfang
bis Ende durchweg knallen soll und verzichtet daher recht kompromisslos
jeglich auf ruhige Momente. Wer diese braucht, wird schon die
Pause-Taste benutzen müssen.
Auf dem Album finden
sich neben Songs mit Sprachsamples auch einige
Instrumental-Stücke, wie z. B. „Hans Dampf“ oder „White Noise“.
Wie stellst du eigentlich den Bezug zwischen dem Song und dem Titel
her?
Jan: Gut, bei „White Noise“ ist es recht
einfach, denn die Songidee war musikalisch etwas mit dem so genannten
"weißen Rauschen" anzustellen, was wohl die meisten eher als
"Schnee" von ihrem Fernsehgerät kennen, wenn kein Sender
eingestellt ist. Und da ich eben genau dieses Rauschen im Song benutzt
habe, lag der Songtitel auf der Hand.
Bei
„Hans Dampf“ war das schon anders. Diesen Titel bzw. Namen (inspiriert
natürlich vom Sprichwort "Hans Dampf in allen Gassen") hatte
ich eigentlich schon länger in meinem Kopf, aber es ist vorher nie
ein Song fertig geworden, der dazu gepasst hätte. Das lässt
sich auch manchmal gar nicht logisch erklären, aber schon im
Anfangsstadium der Produktion dieses Songs war klar, DAS wird "Hans
Dampf".
Wo wir bei
Sprach-Samples sind: Was ist in deinem Kopf zuerst da, die Samples oder
der Song?
Jan: Das ist ganz unterschiedlich. Mal ist
erst der Song fertig und danach schaue ich, ob sich etwas Passendes
dazu findet, meist habe ich aber schon vorher zumindest eine grobe
Skizze vom Song im Kopf, an der ich mich orientiere. Ein Großteil
der Samples sind ja auch von mir selbst erstellt worden und nicht
einfach nur aus Film und TV gesampelt.
Wie kommst du auf
die Ideen für die Sprachsamples?
Jan: Na ja, wie lässt sich
Kreativität erklären?! Ich denke, das geht gar nicht. Es ist
immer eine Kombination aus Fantasie und äußeren
Einflüssen oder persönlichen Erfahrungen. Wenn man sich lange
genug mit einem Thema beschäftigt, fällt einem schon etwas
ein - dann hat man nur noch die Qual der Wahl. Wichtig ist einfach,
dass man schon eine grobe Idee davon hat, in welche Richtung es gehen
soll. Zum Beispiel beim Song "Fucking Invective".. Mir ist aufgefallen,
dass immer mehr Schimpfwörter und Fäkalsprache Einzug in die
Musik haben - und zwar auch in unserer Szene und nicht nur im Hip Hop -
wo es natürlich besonders deutlich ist. Daher wollte ich das Ganze
sozusagen auf die Spitze treiben und wahllose Wörter dieser
Kategorien aneinander reihen - und mit diesem "Stotter-Effekt"
gleichzeitig wieder abschwächen. Um zusätzlich mit einem
Wortwitz deutlich zu machen, dass dieser Song den
übermäßigen Gebrauch solcher Wörter aufs Korn
nimmt, habe ich ihn dann wörtlich übersetzt "Verfickte
Schimpfwörter" genannt.
Der in unseren Ohren
witzigste Song des Albums ist „Deutschland Braucht Bewegung“. Sehen wir
das richtig, dass man diesen Titel auch zweideutig interpretieren kann?
Jan: "Deutschland braucht Bewegung" ist ja
schon eine sehr klare Aussage und fordert sehr deutlich maximale
Bewegung im Club und auf Konzerten. Was die Zweideutigkeit angeht, kann
ich nur sagen: Was man sucht, das findet man auch :-)
Woher stammen die
Sprachsamples am Ende des Songs?
Jan: Quellenangaben mache ich natürlich
nicht, denn ein paar kleine, dreckige Geheimnisse sollten doch wohl
auch mir gegönnt sein. Wichtig ist nur, dass man Spaß daran
hat - und das Ende von "Deutschland Braucht Bewegung" hat bisher bei
jeder Live-Show zur Belustigung beigetragen.
Der Track „Fire“
trägt den Untertitel „C64 Tribute“. Denkst du gerne noch an die
X-Fusion Anfänge auf dem C64 zurück?
Jan: Auf jeden Fall. Der C64 war einfach eine
geile Kiste und ich stehe nach wie vor auf den Sound des SID-Chips (der
für die Musik verantwortlich war). Man hat mit dieser Kiste etwas
ganz Wichtiges gelernt, nämlich: Aus so wenig wie möglich, so
viel wie möglich rauszuholen. Das kann keiner nachvollziehen, der
erst vor ein paar Jahre mit dem Produzieren von elektronischer Musik
angefangen hat. Heutzutage kann man sich ja hunderte von
Klangerzeugern, Samples und Effekten umsonst oder für wenig Geld
herunter laden und hat sofort unbegrenzte Möglichkeiten - dabei
bleibt aber oft die eigene Kreativität auf der Strecke. Daher sind
die Erfahrungen, die ich mit C64 und Amiga gemacht habe, für mich
von unschätzbarem Wert.
Was hat dich damals
dazu bewegt, Musik zu machen?
Jan: Puh, das ist echt schwer zu sagen. Musik
hat mich schon immer fasziniert, und als Gleichaltrige noch
Hörspiele gehört haben, habe ich schon Mixtapes erstellt und
mit 2 Plattenspielern usw. experimentiert. Und von da an ging die
Entwicklung immer weiter... wie schon angesprochen z. B. mit dem C64 -
an dem ich nicht wie die meisten anderen gespielt habe, sondern nur
Musik gemacht habe.
In einem Interview
Ende letzten Jahres hast du bedauert, dass es nicht sehr viel Resonanz
zu deinem letzten X-Fusion Album gab. Sieht es diesmal für
Noisuf-X besser aus?
Jan: Nein, kann ich leider nicht
bestätigen. Ich habe gerade extra nachgeschaut. Das Album ist nun
schon 2-3 Wochen auf dem Markt, und auf meiner Webseite befindet sich
genau ein einziger Gästebucheintrag zum Album und eine handvoll
Kommentare in meinem Forum. Natürlich gibt’s auch Kommentare bei
Myspace usw, aber diese sind sehr gut zwischen dem ganzen Spam
versteckt, so dass man sich das Lesen bzw. Suchen von Vorneherein
spart. Ich sehe leider eine ganz deutliche Entwicklung, während
auf der einen Seite die Hörerschaft, die ein Album illegal runter
lädt stetig wächst, sinkt auf der anderen Seite die Zahl der
echten Fans, die einen mit CD & Merchandise-Käufen und auch
mit Feedback unterstützen. Wohin das letztendlich führt,
muss, glaube ich, nicht erklärt werden.
Im selben Interview
hast du angedeutet, dass du nicht weißt, wie lange du X-Fusion
noch am Leben erhalten kannst. Noisuf-X ist nach deiner eigenen Aussage
eher ein Spaß-Projekt. Ist Noisuf-X trotzdem auch
„gefährdet“?
Jan: Beide Projekte sind ganz klar stark
gefährdet und wenn sich an der Entwicklung nichts ändert, ist
es nur noch eine Frage der Zeit. Natürlich würde ich gerne
immer so weiter machen und Musik veröffentlichen - das Ganze ist
aber nun mal sehr zeit- und kostenintensiv und wird daher für mich
immer mehr zum Luxus, den ich mir so nicht mehr lange aufrechterhalten
kann. Ich hatte nie vor mit meiner Musik reich zu werden - dann
wäre ich nicht in dieser Szene gelandet, aber auch ich muss
wirtschaftlich denken und mir überlegen wie und wo ich meine Zeit
und mein Geld investiere.
Auf deinen Webseiten
betreibst du auch ein Forum. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu den
Fans?
Jan: Ehrlich gesagt bleibt dafür leider
kaum Zeit. Und mit dem Wissen, dass der Grossteil meiner Hörer mir
meine Musik "gestohlen" hat, verlässt mich auch immer mehr die
Lust. Denn man weiß ja nie, mit wem man redet. Freund oder Feind.
Neben deinen eigenen
Projekten hast du zusammen mit Johan van Roy das Projekt „Kombat Unit“
und spielst bei Suicide Commando die Live-Keyboards. Wie ist der
Kontakt mit Johan zustande gekommen?
Jan: Oh, wir kennen uns schon sehr lange. Ich
glaube, er fragte mich einmal nach einem X-FUSION Song oder Remix
für eine Compilation, die er gerade zusammen gestellt hat. So ist
man ins Gespräch gekommen, ist sich dann irgendwann einmal
irgendwo über den Weg gelaufen und hat festgestellt, dass man sich
gut versteht. Der Rest kam dann von alleine.
Darüber hinaus
bist du ja auch noch Musikproduzent.
Hörst du bei
all deinen Projekten und deiner Produzententätigkeit privat selbst
noch Musik? Wenn ja, welche?
Jan: Viel Zeit bleibt da leider wirklich nicht
mehr - aber wenn ich dann mal privat etwas höre, ist es meist
nichts aus unserer Szene. Mir gefällt zwar generell sehr wenig
Musik, aber mein Geschmack ist dafür breit gefächert.
ich höre viele düstere orchestrale Sachen, aber auch mal Goa
oder Metal.
Wo geht aus deiner
Sicht als Musikproduzent die Entwicklung der Electro-Szene hin?
Jan: flussabwärts.. zu Deutsch: Den Bach
runter.. und zwar musikalisch, wie auch wirtschaftlich.
Die letzten Worte
des Interviews gehören dir.
Jan: Da ich nun genug auf den illegalen
Downloadern rumgehackt habe, möchte ich es natürlich nicht
versäumen, mich auf der anderen Seite bei allen, die meine
Projekte unterstützen zu bedanken (und damit meine ich nicht
diejenigen, die meine Musik bei Youtube hochladen).
Vielen Dank für
deine Antworten! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg mit Deinen
Projekten.
Jan: Danke schön!
Order:

www.poponaut.de
NOISUF-X @ www:

www.noisuf-x.com
NOISUF-X @ Myspace:

www.myspace.com/noisufx
©
PromoFabrik – April 2010
Interview:
Dietmar Fels & Astrid Kerber
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