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Artist: Mesh
Interview: Phoner zum neuen Album "A Perfect
Solution"
MESH bedarf wohl keiner Beschreibung
mehr, sind die Briten über ihre
Heimat hinaus wohl bekannt. Astrid führte mit beiden ein langes
Telefonat und quetschte die beiden einmal so richtig aus.
Wie die beiden musizieren, wie es zum Labelwechsel kam, worin sie
Inspiration finden und vor allem, was es mit der Mütze auf sich
hat,
das steht in den folgenden Zeilen...
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Hallo
Richard, Danke, dass du dir etwas Zeit nimmst, um unsere Fragen zu MESH
und dem kürzlich erschienenen Album “A Perfect Solution” zu
beantworten.
Richard: Kein Problem!
Falls es da
draußen tatsächlich noch Leute geben sollte, die euch noch
nicht
kennen, so bitten wir dich, MESH einmal mit ein paar Worten zu
beschreiben.
Richard: Nun,
wir sind ein Duo aus Bristol / UK, bestehend aus mir, Richard
Silverthorn und Mark Hockings. Im Grunde sind wir beide Programmierer,
aber ich denke, in den letzten Jahren habe ich die Rolle des
Studiomusikers übernommen und Mark ist der Songwriter.
Wie seid ihr auf den
Bandnamen „MESH“ gekommen und was bedeutet dieser?
Richard: (lacht)
Das wird leider eine sehr langweilige Antwort. Wir beiden waren
schon vor MESH in Bands tätig und hatten beide schon immer
Probleme mit
der Namensfindung. Man verbringt mehr Zeit damit, einen
anständigen
Namen zu finden, der nach etwas klingt – man kann zu viel Zeit damit
verbringen. Als wir zusammen saßen und uns über den
Bandnamen Gedanken
machten, sagte Mark ganz einfach „Mesh“. Und wir beide sagten uns:
„Yep, das ist ok!“. Es gibt keine Bedeutung für dieses Wort. Es
war
buchstäblich eines dieser Worte, die wir einfach gut fanden. Wir
wollten keine Band, die mit einem „The“ beginnt und somit wurde es ein
sehr kurzes Wort.
Aber MESH bedeutet
doch irgendetwas, oder?
Richard: Ja, so etwas wie ein Netz oder eine Art
Netzwerk.
Na dann passt der
Name ja zu euch ...
Richard: Ja
richtig. Manche Leute sagten, dass in „MESH“ all die verschiedenen
Geräusche und einfach alles miteinander verbunden ist. Meiner
Meinung
nach war es nie unsere Absicht, so zu sein. Aber es ist eine ganz gute
Analogie. Es ist ein ganz gutes Wort.
Im Oktober 2006
verließ Neil Taylor aus persönlichen Gründen die Band.
Wie seid ihr mit dieser Situation damals umgegangen?
Richard: Es
war wie ein Schock für uns. Aber wenn ich ehrlich bin, wenn jemand
gesagt hätte, jemand muss die Band verlassen, so hätte ich
auf Neils
getippt. Zum Ende schien er nicht mehr ganz glücklich in seiner
Rolle.
Wie ich eben schon erwähnte ist die Aufteilung innerhalb der Band
so,
dass ich der Studiomusiker bin, Mark ist der Songwriter und Neil war
mehr Business-Mensch. Er war der Organisator, nahm die Anrufe entgegen
und kümmerte sich um das Geld und solche Dinge. Ich glaube, es war
wirklich schwer für ihn. Jedes Mal, wenn wir Live-Shows hatten,
fühlte
er sich ein wenig verfremdet, glaube ich. Er stand da und spielte
Musik, an welcher er nicht wirklich beteiligt war. Also entschied er
sich, zu gehen. Er hatte genug von der ganzen Musik-Sache und er wollte
Abstand gewinnen und ein normales Leben führen. Auch Mark und ich
sind
verheiratet. Wir haben Kinder und Familien. Gut, wir waren in einer
Band und ich denke, dass Neil sehr damit zu kämpfen hatte, und so
musste er Abstand von dieser Band gewinnen und ein normales Leben
führen. Mittlerweile ist auch er Vater geworden.
Aber
es war
ein Schock. Ich meine, wir haben damit gerechnet und als er es dann
letztendlich wirklich gemacht hat, war es für uns sehr
überraschend.
Wir hatten gerade ein Album released und hatten den ersten Teil unserer
Europa-Tour hinter uns und er entschied sich zu gehen. Und wir hatten
eigentlich noch einige Festival-Gigs und den zweiten Teil der Tour vor
uns. Das war für uns ein großes Problem, aber das haben wir
durch
gestanden.
Neil war auch
verantwortlich für das Artwork, richtig?
Richard: Ja,
das war er. Und das war auch etwas, womit wir dann Probleme hatten.
Er machte von Anfang an die Artwork für uns. Also mussten wir bei
diesem Album jemanden finden, der versteht, was wir erreichen wollten.
Ich denke, letztendlich haben wir das auch. Die Artwork ist sehr
MESH-like geworden und ich bin froh, dass wir es geschafft haben, eine
andere Person dafür zu finden.
Euer neues
Album „A Perfect Solution“ handelt ja ganz offensichtlich von
zerbrochenen Beziehungen. Geht es da hauptsächlich um
Liebesbeziehungen
oder auch um den Prozess der Trennung von Neil Taylor?
Richard: (lacht)
Ohje, was soll ich dazu sagen. Die Art in der Mark schreibt –
die ich übrigens für sehr clever halte – ist nun einmal so,
dass er es
den Leuten überlässt, in verschiedene Richtungen zu
interpretieren. Ich
denke, dass ist die Ästhetik beim Songwriting. Die Leute
können es auf
sich beziehen und sie sehen es auf ihre Art und Weise. Und vielleicht
ist ja die wahre Bedeutung eine ganz andere, als die, die sie vor sich
sehen. Deswegen verraten wir auch nie, worum es in unseren Songs geht.
Aber klar, es gibt bestimmte Elemente, die mit Neils Weggang zu tun
haben. Mark schreibt prinzipiell über eigene Erfahrungen und
Erlebtes.
Nicht alle sind natürlich unbedingt seine persönlichen
Erfahrungen,
sonst wäre er – wenn man die Songs so ansieht - ein ziemlich
deprimierter Mann, denke ich.
Mit Eurer
Single „Only Better“ und dem neuen Album zeigt ihr eine härtere
und
düstere Seite. „Shattered Glass“ ist zum Beispiel sehr
gitarrenlastig.
Was könnt ihr uns zu eurem neu entdeckten Selbst sagen?
Richard: Ich
bin diese Frage wirklich oft in letzter Zeit gefragt worden und ich
denke, wir sind einfach selbstsicherer geworden. Als wir damals
anfingen, haben die Leute immer gesagt, dass wir wie diese oder jene
Band klingen. Aber über die Jahre haben wir unseren eigenen Sound
gefunden. Und diese ganze Gitarrengeschichte ist irgendwie witzig, weil
wir Gitarren schon von Anfang an benutzt haben, genau wie akustische
Drums. Aber wahrscheinlich haben wir die immer recht leise gemischt,
weil wir sie nie besonders gemocht haben. Über die Jahre sind wir
sicher einfach selbstsicherer geworden, dass Gitarren und verschiedene
Instrumente zusammen harmonieren. Also warum sollten wir sie dann nicht
auch einmal ein bisschen mehr in den Vordergrund rücken?
Die
Leute
denken, wir hätten uns verändert, aber das haben wir
eigentlich gar
nicht. Wir mixen es einfach etwas anders. So verhält sich das auch
mit
der Liveshow. Ich meine, früher haben wir uns immer hinter unseren
Keyboards versteckt, vielleicht, weil wir kein Selbstvertrauen hatten.
Jetzt haben wir uns dafür entschieden, dass wir das alles ganz gut
live
umsetzen können, also haben wir es einfach gemacht. Ich habe
angefangen, Gitarre zu spielen und wir haben auch einen Livedrummer.
Das regt vielleicht viele der Puristen da draußen auf, also die,
die
elektronische Musik lieben und die jetzt sagen: „Oh, ihr habt euch in
eine Rockband verwandelt!“ Aber das haben wir überhaupt nicht.
Was steckt hinter
dem Albumtitel „A Perfect Solution“?
Richard: Das
ist eigentlich ganz lustig. Normalerweise ist der Albumtitel
buchstäblich das letzte, was wir machen, wenn wir ein Album
schreiben.
Wir sind dafür irgendwie berüchtigt und die Plattenfirma war
ziemlich
angenervt von uns, weil wir nie einem Titel genannt. Dieses Mal hatten
wir den Titel ziemlich früh festgelegt, was ungewöhnlich
für uns ist.
Ich denke, das hat uns aber auch geholfen, dem Album eine Form zu
gehen. Wir hatten die Überschrift „A Perfect Solution“ und wussten
damit, wo wir mit dem Album hin wollten.
Ich
denke,
das Album fasst zusammen, was allen Beziehungen gemeinsam ist. Egal ob
sie gut oder schlecht sind, die Leute haben heftige Diskussionen. Und
das ist es, was sie letztendlich auseinander bringt oder doch am Ende
auf die eine oder andere Art zusammenhält. Und das ist dann
vielleicht
die „perfekte Lösung“. Wenn man z. B. den Track „Who Says“
anhört –
also den Song, den wir mit Julia aufgenommen haben – ist der für
mich
beinahe die Quintessenz des ganzen Albums. Wir kommen miteinander aus
oder wir regen uns übereinander auf. Aber das ist es, was es
manchmal
einfach funktionieren lässt. Möglicherweise ist das die
perfekte
Lösung. Wir lieben einander aus diesem Grunde, und ich denke,
deswegen
ist das auch ein guter Titel für ein Album.
In „Everything I
Made“ seid ihr sehr reflektiert. Singt ihr da über eigene
Erfahrungen oder über die anderer Leute?
Mark: Das
ist schon fast ein selbstkritischer Song. Es geht darum, dass man Leute
enttäuscht und Dinge nicht macht, die man hätten tun sollen
und die
Dinge, die vielleicht dein Potential als Person ausgemacht hätten.
Und
Dinge, die man in einer Beziehung zu anderen Menschen macht. Dieses
Stück war eigentlich sehr einfach zu schreiben, weil es ein
kleines
Stück von mir selbst ist. Ich bin sehr involviert in vielen Dingen
–
meiner Arbeit und anderen Sachen, die ich so noch mache. Wenn man mit
so vielen Dingen neben der Familie und den Freunden beschäftigt
ist,
dass man ihnen nicht ausreichend Zeit widmen kann, dann fühlt man
sich
manchmal so, als würde man sie vernachlässigen und
enttäuschen. Und das
kommt in dem Song zum Ausdruck.
Bereust du
denn viele Sachen in deinem Leben? Und wenn du die Möglichkeit
hättest,
noch einmal in der Zeit zurück zu gehen, würdest du Sachen
anders
machen oder würdest du eher sagen, dass alles im Leben seinen Sinn
hat?
Mark: Manchmal
denke ich, dass man auf bestimmte Sachen zurückblickt, die man
gemacht hat und denkt, „Ich hätte das anders machen können;
ich könnte
jetzt woanders sein“. Aber wenn ich die ganzen Wege
zurückverfolge,
dann denke ich, dass ich am besten Platz stehe, an dem ich sein kann.
Ich denke, dass sind zwei verschiedene Denkansätze. Ich bin
glücklich
mit dem, was ich bin und ich kann mir nicht vorstellen, noch
glücklicher zu sein. Aber im selben Moment denke ich auch,
ich hätte
etwas anders machen können. Als ich jünger war und die Schule
verlassen
hatte, konnte ich mir nicht mal vorstellen, etwas anderes zu machen.
Aber zugleich, wenn ich sie nicht gemacht hätte, wäre ich
auch nicht
da, wo ich heute bin.
Ich
habe
immer hart gearbeitet. Manchmal fällt man einfach Entscheidungen
aus
der Angst heraus, etwas zu ändern. Viele Leute machen das. Ich
denke
nicht, dass irgendjemand wirklich von sich behaupten kann „Ich
wünsche
mir niemals, dass ich mich anders entschieden hätte wie ich es
damals
getan habe“. Das wäre ziemlich außergewöhnlich. Ich
denke, die meisten
Leute lügen, wenn sie das sagen. Manchmal denke ich, ich
hätte in die
Forschung gehen sollen oder ich hätte ins Ausland gehen sollen.
Aber
wenn du auf das schaust, was du bist und glücklich damit bist, ist
das
eine wirklich schwierige Frage. Ja und Nein...(lacht)
„Only Better“
ist eine recht sarkastische Art und Weise, über jemanden zu
singen, der
gegangen ist. Was könnt ihr uns über diesen Song
erzählen?
Mark: Der
Song ist schwierig zu verstehen. Es ist kein richtiges Liebeslied. Das
sind nur ein paar Zeilen darunter. Ich schätze mal, es ist ein
Blick
auf eine Person, die im Begriff ist zu gehen oder dich zu verlassen
scheint und du kannst es einfach nicht verstehen, wieso jemand so viel
Zeit oder soviel seines/ihres Lebens investieren kann und dann einfach
wegrennt. Ich war in einer ähnlichen Beziehungssituation, aber ich
stand auf der anderen Seite. Ich habe viel Zeit in eine Beziehung
gesteckt und dann bin ich einfach weggelaufen und habe einen
Schlussstrich drunter gezogen. Das ganze Leben ist wie eine
Straße.
Manchmal ist sie einfach versperrt, und ich glaube, davon kommt so
etwas. Die Schwäche, die man fühlt, ist fast wie das
Gefühl des
Verlustes und des kompletten Umbruches, der einfach so über Nacht
gekommen ist. Es ist nicht so, wie der Tod einer Person oder so, aber
du musst dein Leben plötzlich wieder von ganz vorne anfangen. Der
Song
ist von dem Blickwinkel geschrieben, in dem ich mich befunden habe.
Vielleicht ist es eine Art Selbstbetrachtung von Dingen der
Vergangenheit, die ich einfach niedergeschrieben habe.
Bei „Who
Says“ habt ihr das erste Mal mit einer Gastmusikerin gearbeitet. Kam
die Idee dazu vom Grundgedanken des Albums „Zerbrochene Beziehungen“?
Richard: Die
eigentliche Idee kam, als ich die Musik zu „Who Says“ geschrieben
habe und sie Mark gegeben hatte. Er kam mit dem Song zurück und
sang
ihn im Studio. Weil er immer wieder diese eine Zeile wiederholte, hatte
ich die Idee und sagte, dass das richtig cool sein könnte. Das ist
schon ein gutes Argument, wenn einer etwas sagt, während der
andere
grade dasselbe sagen wollte. Ich meinte nur, dass es interessant
sein
könnte, wenn jemand anderes den zweiten Part singen würde.
Wir kannten
Julia schon sehr lange und wir sind gute Freunde. Ich rief sie an uns
sagte: „Hey, wir haben es wirklich eilig. Könntest du vielleicht,
wenn
ich dir den Track schicke, da etwas singen, im Studio aufnehmen und
zurückschicken?“. Das tat sie. In gerade mal nur zwei Tagen hatte
sie
das in einem Studio in Deutschland aufgenommen und mir per Internet
zurückgeschickt, wo ich es in den Track einbaute. Und es war
richtig
cool. Es harmoniert sehr gut miteinander, wie zwei Leute, die
miteinander reden.
Mark, woher nimmst
du die Inspiration für die Songs? Sind das nur deine eigenen
Erfahrungen oder auch die anderer Leute?
Mark: Weder
noch. Ich denke, man folgt einfach einem Pfad. Das kann alles sein. Da
sind einige verschiedene Dinge, die da reinspielen. Ich höre
normalerweise die Musik und entweder ist die schon fertig oder ich
spiele einfach damit herum. Dann tauchen da einfach Wortfetzen oder
Verse auf und du gehst einfach zurück zum Anfang und versuchst
herauszufinden was es war, das sie zum Vorschein gebracht hat.
Das
ist
sehr schräg. Manchmal hat man einfach keine Idee. Aber so schreibe
ich
halt. Andere Leute machen das anders. Aber ich mag es, einfach nur zu
fühlen, was aus der Musik zu mir spricht. Dann ist da
plötzlich eine
Idee aus der alles entsteht. Sie kommt einfach von irgendwoher. Es
klingt seltsam, aber so ist es. Das ist mein Talent und das ist, was
ich in die Musik einbringe. Ich kann Songs dazu bringen, sich selbst zu
schreiben.
Seit diesem Jahr
habt ihr ja einen Vertrag mit Stefan Herwig und seinem Label Dependet.
Wie kam es zu dem Wechsel?
Richard:
Wir
waren ja bei Sony Columbia gesignt. Nach „We Collide“ lief unser
Vertrag aus. Ich habe damals zu Mark gesagt, dass es das Beste
wäre,
wenn wir uns Zeit nehmen, ein gutes Album schreiben und danach erst ein
Label suchen würden. So haben wir das dann auch gemacht. Wir haben
ein
Album gemeinsam geschrieben, ohne ein Label oder das Geld von
irgendwelchen Leuten. Und kurz vor der Fertigstellung haben wir unseren
Manager gebeten, jemanden zu finden, der es veröffentlichen will.
Vier
oder fünf Labels wollten und wirklich signen und das Album machen.
Das
war eine gute Verhandlungsposition für uns, weil wir die Wahl
hatten
und uns jedes Label genau ansehen konnten. Und wir waren bei Sony, aber
wir haben realisiert, dass es nicht um das Geld oder das Label geht. Es
geht eher um die Leute, mit denen du arbeitest und ihr Glaube und die
Hingabe an das, was du machst. Als wir dann lange mit den ganzen Leuten
geredet hatten, sind die nie zu diesem Punkt gekommen. Als wir mit
Stefan gesprochen haben, war er vollkommen aufgebracht. Er hatte unsere
Karriere verfolgt, wusste alles über uns und bewunderte ernsthaft,
was
wir machen, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir ja noch normale
Jobs haben. Er sagte: „Es ist erstaunlich, es so weit gebracht zu
haben, ohne es in Vollzeit zu machen!“. Er war sehr ehrlich und wie
eine Brise frische Luft für uns. Aufgrund dessen wollten wir mit
ihm
arbeiten. Stefan ist ein sehr cleverer Mann, wenn es um die Szene und
das ganze Musikbusiness geht.
Nachdem ihr
am Anfang euer eigenes Label gegründet hattet, habt ihr mehrfach
gewechselt. Warum? Und habt ihr das Gefühl, dass ihr nun ein
dauerhafteres Zuhause bei Dependent gefunden habt?
Richard: Ich
hoffe das doch sehr, ja. Am Anfang ist man wie jede Band einfach
nur heiß darauf, eine CD herauszubringen. Wir haben unser eigenes
Label
gegründet, um die Sachen zu veröffentlichen. Wir haben dann
plötzlich
gemerkt, dass es einfach zu viel ist, das alles allein zu machen.
Mememto Materia kam auf uns zu und bot uns einen Vertrag in Schweden
an. Nach vier Jahren dachten wir dann, es wird Zeit, mit einem
größeren
Label zu arbeiten. So sind wir zu Sony Columbia gekommen. Für eine
Band
wie uns in dieser Szene ist es irgendwie unglaublich, einen Deal bei
einem Major zu bekommen. Aber das war ein Vertrag für zwei Alben.
Und
nach den beiden Alben haben wir entschieden, weiter zu ziehen und es
anders zu machen. Da sind wir nun bei Dependent angekommen. Wir sind
einen vollen Kreis gelaufen, von einem Independent Label zum Major und
wieder zurück. Aber wir fühlen uns wohl dabei. Bei Sony
konnte man
nicht einfach mit jemandem reden, da ist man einfach nicht wichtig.
Stefan ist eher wie ein Partner und es ist schön, auf diesem Level
zu
arbeiten.
Das neue
Album ohne ein Label zu schreiben, muss sich sicher sehr frei und
ungezwungen angefühlt haben, da ihr machen konntet, was ihr
wollt...
Richard: Definitiv.
Um ehrlich zu sein, hatten wir in der Vergangenheit
eigentlich immer Glück, dass die Labels sich nicht zu sehr hinein
gehangen haben. Vielleicht hatten sie ab und zu am Ende hier und da ein
paar kleine Änderungswünsche, um es radiotauglicher zu machen
oder so.
Aber mit diesem Album hatten wir wirklich die absolute kreative
Freiheit und wir haben das gemacht, worauf wir Lust hatten. Zu dem
Zeitpunkt, als es die Labels gehört haben, war es schon fast
fertig.
Und es fühlt sich für mich emotional näher an, als
alles, was wir
vorher gemacht haben.
Wir ihr
selber sagt, seid ihr von frühen Electro-Bands wie Depeche Mode
oder
Nitzer Ebb beeinflusst. Was beeindruckt euch so sehr bei diesen Bands?
Und was inspiriert euch?
Richard: Ich
denke, dass war der Fall bei vielen Bands und einfach die Tatsache,
dass es damals alles so neu war. Ich erinnere mich, dass ich eine Menge
Musik gehört habe, aber so richtig intensiv habe ich erst z. B.
Gary
Newman erlebt. Es war so anders als alles, was ich vorher gehört
hatte,
mit den Synthesizern in dieser Art. Und so war es mit allen diesen
Bands, die damals aufkamen, z. B. Yazoo oder Depeche Mode. Yazoo hat
mich sehr stark beeinflusst, weil es das erste Mal war, dass
elektronische Musik wirklich eine Seele hatte. Alles, was damals so
erschien war einfach nur erfrischend anders. Ich war so gelangweilt von
den ganzen Gitarrenbands und als das mit der Elektronik anfing, zog es
mich in ihren Bann. Besonders diese nicht-kommerziellen Bands wie
Portion Control, DAF, Fad Gadget und diese etwas schrägen Bands.
Die
offizielle Mesh-Fanclub-Seite hat ein tolles Feature: Die Fans
können
euch ihre Frage direkt senden. Wie wichtig ist euch der enge Kontakt zu
euren Fans?
Richard: Absolut
wichtig. Über die Jahre haben wir uns eine recht gute und
loyale Hörerschaft erarbeitet. Wenn wir herumreisen und Shows
spielen,
dann sehen wir oft dieselben Leute von uns. Das ist brillant, ich liebe
es. Ich liebe diese ganze Interaktivität und auch die Leute nach
der
Show zu treffen. Sie lassen mich ihre Anerkennung spüren und es
ist
einfach großartig, das zu erleben. Ich versuche immer, auch das
Publikum mit einzubeziehen. Wir haben gerade ein paar Ideen für
ein
Video und wollen dafür die Fans mehr mit ins Boot holen. Man muss
sich
um die Leute kümmern, denn sie haben es ermöglicht, dass wir
jetzt hier
stehen, wo wir sind. Das sind richtig tolle Menschen!
Erhaltet ihr viele
Fragen?
Richard: Durch
diese interaktive Welt, mit MySpace und anderen Dingen, bekommen
wir immer sehr viele Fragen. Aber MySpace ist sicher das wichtigste
Portal dafür. Wenn ich mich da einlogge, da sind immer einige
Dinge zu
beantworten, zu ändern oder an die Leute rauszuschicken. Ich
denke, es
ist ein großartiges Medium, um mit Leuten ins Gespräch zu
kommen. Die
Leute schauen auf MySpace oder ähnliches nicht wie auf deine
Webseite,
weil sie sich hier einfach involviert fühlen. Sie können die
Kommentare
der anderen lesen und selber kommentieren. Das ist großartig!
Was war die
verrückteste oder lustigste Frage überhaupt bisher?
Richard: Nun,
ich will da nicht so viel drauf geben, aber (lacht)....
unglaublicherweise hatten und drei Leute kürzlich angeschrieben.
Sie
seien so große Mesh-Fans, dass sie uns ihre Freundinnen für
eine Nacht
nach einem Konzert angeboten haben! Das ist natürlich nicht
passiert.
Aber da waren drei total verschiedene Typen, die uns das fast zur
gleichen Zeit gefragt haben. Wir kriegen schon manchmal sehr
schräge
Sachen rein...
Ich würde gerne
eine Fan-Frage hier noch einmal stellen, die Nicole 2006 gestellt hatte:
Mark, du bist
ja der Meinung, dass Lieder von dem Textdichter am besten zu singen
sind, weil er am besten weiß, wie er die Emotionen darum
ausdrücken
kann. Du hast diese wundervolle Coverversion von „Document“
(Assemblage23) gemacht. Wie war das da mit dem Interpretieren der
Texte? Ist es viel schwieriger gewesen die Texte eines anderen
Schreibers zu singen?
Mark:
Ich
muss zugeben, dass ich es genossen habe. Ich kenne Tom sehr gut und
ich finde seine Sachen gut. Textlich ist er sehr gut und auch
ähnlich
in der Art wie ich schreibe. Bei diesem speziellen Track war das schon
irgendwie seltsam. Ich hatte ihn einige Zeit, vielleicht ein paar Jahre
nicht mehr gehört. Ich fand die Lyrics im Albumbooklet, machte die
Coverversion und erst dann hörte ich mir das Original wieder an.
Ich
hab das Cover wirklich aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich
mochte einfach diesen Text so sehr, weil er so traurig ist. Einige
Lieder sind sehr traurig aber zugleich auch kraftvoll. Manchmal kommt
das bei ihm nicht so rüber durch die Art, wie er die Musik macht.
Die
Texte sind sehr emotional und die Musik aber sehr tanzbar - da
kann
man schnell die Message dahinter aus den Augen verlieren. Ich dachte,
ich mache mal etwas, wo der Fokus wirklich auf dem Text liegt und ich
meine, es hat gut funktioniert. Eigentlich wollten wir auch für
diese
Tour wieder einen Track covern, diesmal von Green Day – textlich sehr
gut und kraftvoll. Aber wir haben das zeitlich nicht mehr geschafft.
Vielleicht machen wir das Cover später, nach der Tour.
Wenn ihr
zurückblickt auf die Anfänge von Mesh und euch heute so seht,
wie
würdet ihr die Entwicklung von Mesh beschreiben? Welche
Erfahrungen
waren da besonders wichtig?
Richard: Ich
denke, aufzutreten ist eine wichtige Erfahrung. Jedes Mal, wenn man
auf Tour ist, wächst das Selbstvertrauen und das Wissen, was man
tut.
Ich denke, menschlich sind wir uns einfach mit der Zeit bewusst
geworden, was da alles passiert. Am Anfang ist man sehr naiv. Du willst
alles machen und hörst auf jeden. Über die Jahre lernst du,
nur deinem
Herz zu folgen – mache, was du machen willst und was du denkst, das es
richtig ist – und hoffe, dass es den Leuten gefällt. Das ist die
Position, in der wir heute sind. Deswegen mag ich auch dieses Album
mehr als alles, was wir zuvor gemacht haben: Weil wir es für uns
gemacht haben. Wir sind keinem Trend gefolgt und haben nicht versucht,
jemanden zu kopieren. Wir machen unser eigenes Ding und ich denke, dass
sollte jede Band tun, vor allem in dieser Szene. Da gibt es so viele
Bands da draußen, die uns CDs zuschicken – und sie klingen alle
gleich.
Sie versuchen alle, so Future-Pop-Zeug zu machen und fangen
mittlerweile echt an, genau gleich zu klingen. Hört auf, so etwas
anzuhören und macht euren eigenen Stiefel und hofft, dass die
Leute
darauf abfahren. Das haben wir auch gemacht. Ich denke, wir haben uns
da nie geändert, wir sind einfach immer Mesh.
Auf der Tour werden
euch “Informatik” supporten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Richard: Wir
haben jemand sehr interessantes für die Tour haben wollen. So
viele
Bands nehmen letztlich immer die gleichen Bands als Support mit. Wir
mussten es einfach etwas anders machen. Früher haben wir dann
immer
Leute mitgebracht, die die Fans in Deutschland noch nie gesehen hatten.
Z. B. Iris aus Amerika, die wir schon seit Jahren verfolgten. Wir haben
immer etwas Interessantes gesucht. Informatik kamen auf uns zu. Sie
arbeiten mit Metropolis Records, die auch unser Amerikanisches Label
sind. Ich fand die Musik toll, weil es anders war. Und in Deutschland
hat sie noch niemand gesehen. Das war für die Tour also ziemlich
interessant.
Was kann man von der
Tour und den neuen Shows erwarten? Habt ihr etwas Spezielles
vorbereitet?
Richard: Ja,
wir arbeiten grade daran und hoffen und beten, dass es
funktioniert, weil es langsam verflucht kompliziert und technisch wird.
Wir waren ja eine der ersten Bands, die Video in großem Rahmen
verwendet haben. Mittlerweile machen wir das ja schon ewig. Wir haben
uns deswegen entschlossen, etwas anderes zu machen, weil Video ja
heutzutage alle haben. Die Technologie ist so günstig, so haben
wir uns
überlegt, einfach mit mehreren Bildschirmen in verschiedenen
Positionen
zu arbeiten. Das ist sehr komplex, aber wir haben es zum Laufen
gebracht. Wir haben es noch nicht einmal richtig getestet, sind aber
sicher, dass es laufen wird – ist schon lustig, irgendwie.
Vielleicht
wird es auch ein bisschen interaktiver. Letztes Wochenende kamen wir
auf die Idee, Fotos von den Leuten am Eingang zu machen und diese im
Backstage dann auf dem Computer hoch zu laden, damit sie dann als
Background ein Teil der Show sein würden. Die Leute werden dann
sicher
überrascht sein, ihre Fotos zu sehen, vor allem auf dem
Videobildschirm
hinter uns. Wir freuen uns auch schon, die neuen Songs zu spielen und
wir haben älteres Material neu gemischt. Das sollte alles ganz
cool
werden.
Mark, seit
Anfang an hat man dich nie ohne dein Markenzeichen, die Mütze, zu
sehen
bekommen. Wird das nicht zu warm auf der Bühne?
Mark: Yeah,
das ist schlimm, aber es ist zu spät, um jetzt umzusteigen. Ich
muss
das für immer machen. Aber manchmal, zum Beispiel Spanien oder
Griechenland, da ist es nicht mehr lustig. Da gab es keine Klimaanlage.
Aber im Winter in Deutschland ist es okay. Ich denke, das wird schon
gehen (lach). Ich glaube, ich habe damit angefangen, als wir in
Schweden oder Norwegen waren. Da war es verdammt kalt.
Ich
habe eine Auswahl warmer Mützen für die Tour, das wird
bestimmt lustig.
Und was steckt
dahinter? Du setzt die Mütze ja nie ab – nicht für Photos
oder bei Konzerten.
Mark: Keine
Ahnung. Aber offensichtlich mache ich das nicht, wenn ich zu Hause bin.
Das ist wirklich etwas, was ich in der Band mache, aber ich weiß
nicht
warum. Ich denke, dass ist eine Image-Geschichte, ein Markenzeichen.
Das wirst du irgendwann nicht mehr los. Das ist seltsam, vielleicht
werde ich ja verrückt. Es ist einfach nur eines der Dinge, die ich
schon immer gemacht habe und ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne
Mütze auf die Bühne zu gehen.
Ich denke, das ist
wie der Wechsel in eine andere Person, oder?
Mark: Ja, richtig. Das ist wie mein Alter Ego.
Habt ihr konkrete
Zukunftspläne nach der Tour?
Richard: Nicht
wirklich. Man schaut eigentlich immer nur ein paar Wochen nach
vorn, anstatt Bilder von der Zukunft in einigen Jahren zu entwerfen.
Keiner von uns wird jünger. Wir konzentrierten uns voll auf das
Album
und als das Album veröffentlicht war, war der nächste Schritt
die Tour.
Erst danach werden wir uns Gedanken machen, was danach kommen
könnte.
Wir haben schon über Singles geredet und viele andere Sachen, die
wir
machen könnten, aber ich kann noch gar nicht so weit im Voraus
denken.
Derzeit geht es nur um die unmittelbaren Dinge, die im Vordergrund
stehen.
Danke für das
Interview, Viel Erfolg mit der Tour und wir drücken euch die
Daumen, das alles funktionieren wird!
Richard: Vielen Dank!
Mark: Ich hoffe es. Danke sehr!
by PromoFabrik - November 2009
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