|
|
.:: Text Interview
Ionic Vision
|
|
|
|
|
|

Artist: Ionic Vision
Interview:
zum neuen Album "Complete Isolation"
Astrid
interviewte Sven und Andy Ionic Vision über die
Remixe zum neuen Longplayer. Was die Jungs von der
Weltwirtschaftskrise, Interviews und Castingshows halten und wie weit
sie mit dem neuen Album sind, das alles erfahrt ihr im folgenden
Interview!
|
|
|
Hallo
Sven, hey
Andy. Danke, dass ihr die Ziet gefunden habt, uns ein paar Fragen zu
beantworten.
Es
ist uns ein Vergnügen!
Als erstes, stellt
euch doch mal selber gegenseitig vor.
Nun,
wir
sind Ionic Vision (wie wir das wohl erraten haben..haha), wir leben in
einem kleinen Land, das Belgien genannt wird. Wir sind zu zweit: Andy
und Sven.
Es
gibt uns
ja schon seit 1992, also sind wir quasi die am längsten
ununterbrochen
aktive EBM-Band überhaupt – wir sollten dafür eigentlich dem
Guinessbuch schreiben...Und wir veröffentlichen unser Material auf
dem
eigenen Label Machineries Of Joy, einem Sublabel von COP Intl. Alle
weiteren peinlichen Details lassen wir hier lieber außen vor.
Am 22. Januar
habt ihr mit “Complete Isolation” ein Remixalbum der 2008 erschienenen
CD “Bitter Isolation” veröffentlicht. Habt ihr aktiv Leute
angeschrieben oder hattet ihr so viele nachfragen, daß ihr quasi
gezwungen ward, ein komplettes Remix-Album zu machen?
Wir
hatten uns dazu schon vor langer Zeit entschlossen, unsere
Isolated-Sessions mit einem Remixalbum zu beenden. Diese “Isolated
Sessions” beziehen sich auf eine Serie von Veröffentlichungen, die
wir
seit “Sweet Isolation” gemacht haben, einer MCD mit Orange Sector. Es
geht da um ein großes Gesamtkonzept: als Band für so viele
Jahre
isoliert zu sein, sei es in künstlerischer Hinsicht (der rote
Sessel
allein an einem verlassenen Ort) als auch in musikalischer Hinsicht.
Ein Überblick über das alles gibt das Booklet des “Complete
Isolation”-Releases. Es lohnt sich, einen Blick zu riskieren.
Wir
haben
den Kontakt zu den Remixern zu einem sehr frühen Zeitpunkt
gesucht, und
wir hatten nie die Idee, große Bands oder Namen zu fragen. Wir
kümmern
uns nicht darum, sondern nur um die Qualität. Zum Schluss hatten
wir
dann doch einige große Namen an Bord, das ließ sich nicht
vermeiden.
Orange Sector. Poupee Fabrikk als härtere EBM-Vertreter, oder auch
David Carretta, the Horrorist oder Komputer.
Wir wissen,
dass für euch Vielseitigkeit sehr wichtig ist. Ist das auch der
Grund,
warum ihr nicht mit EBM-Bands zusammenarbeitet, sondern eher mit
Musikern wie NorthBorne oder Komputer?
Wir
haben
in der Tat immer danach getrachtet, den Leuten klar zu machen, dass
reiner EBM auch mehrere Gesichter haben kann, ohne seine Identität
zu
verlieren. Dieses Remixalbum ist der finale Beweis dafür. Eine
EBM-Band
wie Ionic Vision muss keine 15 anderen EBM-Bands fragen, ob sie einen
Remix machen wollen – die Remixe würden alle gleich klingen. Auf
der
anderen Seite ist es nicht einfach, seine Identität zu wahren,
weshalb
wir es manchmal auch nicht wagen, aufzustehen und zu sagen, wir wollen
etwas komplett anderes außerhalb der Reihe machen. Komputer sind
ein
gutes Beispiel, bei denen es funktioniert hat. Sie wollten eine
schräge
Vision und haben es geschafft.
Wir
beide
haben ein weit gefasstes Interesse an guter Elektronikmusik und sind in
Kontakt mit einer Menge Künstlern, so war das relativ einfach,
diese CD
zu machen.
Warum habt ihr euch
dazu entschlossen, nur fünf Stücke von “Bitter Isolation”
remixen zu lassen?
Wenn
du
das komplette Album remixen lässt, dann ist am Ende nichts mehr
davon
übrig. Das wäre fast wie Depeche Mode’s Black Celebration.
Alle
guten
Songs wären zu Tode geremixed worden und nur die
ungünstigeren Tracks
wären übrig gewesen. Wir wollten das nicht so haben.
Auf
der
anderen Seite hat man jetzt die Möglichkeit, ein ganzes Spektrum
an
Remixen zu hören, z. B. bei Die Macht. Der Orange Sector remix ist
komplett anders als der von The Horrorist – und dabei ist es der
gleiche Ursprungssong. Wenn wir jeder Band einen anderen Song gegeben
hätten, dann hätte man nie die Möglichkeit gehabt, diese
Varianten zu
genießen.
Gibt es einen Remix,
der euch buchstäblich von den Socken gehauen hat, als ihr ihn das
erste Mal gehört habt?
In
einer
Hinsicht klingen die alle gut und wir sind damit zufrieden. Aber ich
schätze, wir kommen nicht davon, bevor wir nicht eine ehrliche
Antwort
gegeben haben… Wir haben beide den Millimetric Mix von “Die Macht”
bewundert. Aber der ist nicht auf “Complete Isolation” *grins… Ehrlich
gesagt, gibt es gute Stellen in fast jedem Mix, du hast den Tanzeffekt
bei Northborne’s Remix und die schrägen Teile im Komputer Remix.
Und
jede Interpretation ist wirklich super.
Am Freitag, den 22.
Januar, habt ihr Nitzer Ebb in Antwerpen auf ihrer Release-Show
suportert. Wir kam es dazu?
Wir
wurden von Peter Mastbooms gefragt. Er wusste schon immer, dass das
unser größter Traum ist. Und es ist nur logisch in unserem
Fall, dass
wir nach dem Höchsten, dem Ultimativen streben. Und zu guter letzt
sind
Nitzer Ebb ja der Grund, warum wir diese Art Musik machen und wir
machen ja noch immer Nitzer Ebb basierte Sachen.
Es
gibt uns
noch und auch die EBM-Szene, in der wir mehr und mehr Anerkennung
erhalten. Die Arbeit mit Terence Fixmer, Thomas P Heckmann, David
Carretta, Pouppee Fabrik, Orange Sector und vielen anderen, zwingt die
Leute, uns nach all den Jahren zu respektieren, die wir schon versuchen
zu überleben. Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben und
wer
weiß, was die Zukunft noch bringen wird. Dass wir Nitzer Ebb
supporten
dürfen zeigt uns, dass wir doch ganz gut sind.
Werdet ihr nur
einmal dabei sein, oder Nitzer Ebb noch öfter auf Tour begleiten?
Derzeit
ist nur dieses eine Konzert geplant gewesen. Aber es ist ein Schritt
nach vorn. Wir sagen niemals nie und warten ab, was als nächstes
kommt.
Wir haben unsere Lektionen gelernt über die Jahre. Bleib, wer du
bist
und verhalte dich nicht wie das letzte Arschloch, dass nur das Beste
und Größte für sich will… das funktioniert nicht. So
bleiben wir schön
auf dem Teppich und sind dankbar für diese einmalige Chance. Eine
Chance, von der viele EBM-Bands noch immer träumen können.
Wie wir
davon viele Jahre geträumt hatten…
Nitzer Ebb sind
eines eurer Idole. War es eine besondere Ehre für euch, mit ihnen
die Bühne zu teilen?
Oh,
definitiv. Es fühlte sich an, wie wieder 16 zu sein und
“Murderous” zu
hören und zu denken: “das absolut schärfste wäre, einmal
auf der Bühne
zu stehen und genauso berühmt wie Nitzer Ebb zu sein”. Diese
vielen
Jahre später geht der Wunsch in Erfüllung (aber wir sind
natürlich noch
nicht berühmt!). Aber mal ehrlich, es war ansonsten nur ein
weiterer
Gig wie schon viele zuvor. Wir sind stolz, dass wir den Leuten
erzählen
können, dass wir die größte aller EBM-Bands supportet
haben, aber wenn
man auf die Bühne geht, wird es einfach ein weiterer Ionic Vision
Auftritt. Es war vielmehr das alles, was um die Bühne herum
passiert
ist, was so aufregend war. Wir hatten sogar die Möglichkeit, mit
Nitzer
Ebb zu quatschen, was für uns sehr aufregend war.
Seit 18
Jahren kämpft ihr nun gegen das Vorurteil und die Meinung, dass
EBM
monoton und nicht abwechslungsreich sein muss. Aus eurer heutigen
Sicht, welche Veränderungen hat der EBM seit den Anfängen
durchgemacht?
Es
gibt
viel mehr von dieser Musikrichtung als damals. Und um ehrlich zu sein,
Ionic Vision waren für lange Zeit die letzte existierende EBM-Band
überhaupt, die es sehr schwer hatte die Leute zu überzeugen,
was wir da
denn machten. Wir wurden so verdammt oft ausgelacht… und jetzt, als das
Genre wieder zurückkommt und respektiert wird, schauen sie auf uns
und
sagen: “Hey, die Versager gibt’s ja immer noch, Respekt!”. An sich ist
die Musik der Bands und die Inspiration die gleiche wie früher,
aber es
ist gut zu sehen, dass EBM die Leute wieder interessiert und ich denke,
ohne arrogant zu sein, wir haben da schon einen kleinen Anteil
dran…oder nicht?
Welche
Veränderungen haben Ionic Vision seit damals durchgemacht?
Wir
sind
etwas älter geworden, weiser (das kommt von selbst) und viel
härter,
wenn es darum geht, “Nein” zu sagen. Wir wissen jetzt viel besser, was
unser Anteil an der EBM-Szene ist und das hat uns viel Sicherheit
gegeben. Aber darüber hinaus machen wir das alles noch, weil es
uns
sehr viel Spaß macht. Jede Studiosession ist wirklich purer
Spaß, keine
Belastung. Also ist es eigentlich kein großer Unterschied zu
früher.
Technisch gesehen haben wir viel Erfahrung mit Softwaresynthies sammeln
können, was uns neuen Schub schon vor fünf Jahren einen
gegeben hat. Zu
diesem Zeitpunkt bis du der erste, dem wir erzählen, dass wir
bereits
14 neue Stücke haben, die wir demnächst mixen werden. Es wird
also ein
neues Ionic Vision-Album geben. Gott möge uns schützen, wenn
das
wirklich bekannt wird *lach
Ihr habt ja den
Slogan „Rage Against The Acoustic“. Könnt ihr uns da etwas
erzählen, wie ihr dazu gekommen seid?
Er
stammt
aus der Anfangszeit von Ionic Vision. Zu der Zeit haben wir zugesehen,
wie der ganze richtige EBM immer mehr in Richtung Cross-Over
abgedriftet ist, bis fast nix mehr davon übrig war. Die Gitarren
haben
überall Überhand genommen in der Szene und wir haben es
einfach nicht
gemocht. Also haben wir unsere Waffen genommen, geladen und Ionic
Vision geschaffen, mit denen wir wahren EBM machen konnten und gegen
diese ganze Cross-Over-Szene geschossen haben. Zu der Zeit, als wir
unser erstes Album aufgenommen haben, dachten wir, es klänge cool,
ein
hartes Statement abzugeben und wurden von dem Bandnamen Rage Against
The Machine inspiriert. Wir haben so einen Titel für das Album
gefunden
und gleichzeitig wurde der Stil von Ionic Vision mit diesem Slogan
eingemeißelt. Und um ehrlich zu sein, funktioniert der ja noch
heute,
und keine andere Band hat den Slogan je benutzt. Wir haben das Patent
darauf *grins
EBM ist ja leider
Gottes immer wieder mit der rechten Szene assoziiert worden. Was haltet
ihr davon?
Die
Parallelen liegen in der Tatsache, dass die Musik hart und aggressiv
ist, und im armeeähnlichen Dresscode. Aber egal mit wem wir
gesprochen
haben oder wen wir in den vergangenen Jahren getroffen haben, sie
sprechen eine andere Sprache und verhalten sich ganz anders. Das ist
ein schwerwiegender Beweis dafür, dass das alles falsch ist. Und
für
Ionic Vision gilt, dass Politik nichts mit Musik und Musik nichts mit
Politik zu tun hat. Da kann man nicht viel mehr dazu sagen.
Wir geben euch jetzt
mal drei Stichworte und ihr sagt spontan, was euch dazu einfällt.
Wirtschaftskrise
Glücklicherweise
sind wir nicht so sehr betroffen, aber die Leute, die
unter Arbeitslosigkeit leiden, die haben sicher sehr harte Zeiten. Aber
wenn man es mal von einem anderen Standpunkt aus sieht, so kann diese
Zeit des Abschwungs auch perfekt genutzt werden, um etwas Neues und
Besseres zu erschaffen. Wir glauben fest daran, dass das Wort „Krise“
einfach häufig missbraucht wurde, um Leute zu feuern, mehr Profit
zu
machen und es zu einer noch größeren Belastung für die
noch
Angestellten zu machen. Traurig, aber das ist die ökonomische
Wahrheit.
Casting-Shows
Hahaha,
wie zum Henker hätten Ionic Vision berühmt werden sollen? Wir
hatten so
viel Spaß bei der Imitation von Modern Talking vor ewig langer
Zeit...
Wir fielen aber bei Dieter Bohlen durch, als der in der Jury saß.
Er
mochte die Versionen seiner Songs nicht, die wir extra vorbereitet
hatten. Am Ende kamen wir dann zum Schluss, dass wir eine EBM-Band
machen müssten. Ionic Vision, die „You’re my Heart You’re my Soul“
covern...hmmmm... verlockend, oder *hahaha
Nö,
aber
wir können das Zeug wirklich nicht leiden. Aber es wäre echt
der
Hammer, wenn es vielleicht irgendwann mal ein EBM-Casting geben
würde.
Der „E-Factor“, bei dem „E“ für Erotik oder Elektronik steht. Wir
würden ersteres bevorzugen und nur mit Mädels. Und mit uns in
der Jury.
Interviews
Wenn
die
Fragen gut sind, ist es cool. Wenn die Mädels gut aussehen, umso
besser. Wenn die Mädels dann auch nett lächeln,
überhaupt das Beste!
Für den Fall
dass 2012 die Welt untergeht, was würdet ihr bis dahin noch
unbedingt machen wollen?
Unser
neues Album beenden, an dem wir hart arbeiten. So gib uns bitte bis
2013, ok?
Nein,
wir
würden versuchen das zu genießen, was wir genießen
können. Schwer zu
sagen, wir würden dies oder das machen, wenn man den Tag nicht vor
Augen hat. Kann ich mir nicht vorstellen. Stell dir vor, jede lebende
Kreatur kennt den Tag seines Todes – das wäre verdammt
erschreckend!
Ihr habt jetzt noch
30s. Was wollt ihr der Welt da draußen mitteilen?
30,
29, 28, 27, 26, 25……äh….23……Müssen wir der Welt wirklich
etwas sagen, wäre das nicht etwas arrogant…
Wir
sind
nur zwei Leute, die Musik machen und wenn wir was zu sagen haben, dann
denke ich, kann man das auf unseren CDs hören. Wie gesagt, wir
sind
nicht so arrogant zu sagen, dass das, was wir sagen, wichtig wäre.
Wir
sind nur Musiker.
Vielen Dank für
Eure Antworten und weiterhin viel Erfolg auf all euren Wegen!
Ganz
unserseits und vielen Dank an alle, die uns unterstützen!
Ionic Vision @ Myspace:

http://www.myspace.com/ionicvision
Ionic Vision @ www:

http://www.dsbp.cx/ionic
by
PromoFabrik – Januar 2010
Interview & Text: Astrid Kerber & Dietmar Fels
|
|
|
|